Altes Testament · Poesie

Hiob 21

Iob 21 · Lutherbibel 1912 · 34 Verse

Kapitel 21 von 42

1 Hiob antwortete und sprach:Und Hiob antwortete und sprach:

2 Hört doch meiner Rede zu und laßt mir das anstatt eurer Tröstungen sein!Höret, höret meine Rede! Und dies ersetze eure Tröstungen.

3 Vertragt mich, daß ich auch rede, und spottet darnach mein!Ertraget mich, und ich will reden, und nachdem ich geredet habe, magst du spotten.

4 Handle ich denn mit einem Menschen? oder warum sollte ich ungeduldig sein?Richtet sich meine Klage an einen Menschen? Oder warum sollte ich nicht ungeduldig sein?

5 Kehrt euch her zu mir; ihr werdet erstarren und die Hand auf den Mund legen müssen.Wendet euch zu mir und entsetzet euch, und leget die Hand auf den Mund!

6 Wenn ich daran denke, so erschrecke ich, und Zittern kommt mein Fleisch an.Ja, wenn ich daran denke, so bin ich bestürzt, und Schauder erfaßt mein Fleisch.

7 Warum leben denn die Gottlosen, werden alt und nehmen zu an Gütern?Warum leben die Gesetzlosen, werden alt, nehmen gar an Macht zu?

8 Ihr Same ist sicher um sie her, und ihre Nachkömmlinge sind bei ihnen.Ihr Same steht fest vor ihnen, mit ihnen, und ihre Sprößlinge vor ihren Augen.

9 Ihr Haus hat Frieden vor der Furcht, und Gottes Rute ist nicht über ihnen.Ihre Häuser haben Frieden, ohne Furcht, und Gottes Rute ist nicht über ihnen.

10 Seinen Stier läßt man zu, und es mißrät ihm nicht; seine Kuh kalbt und ist nicht unfruchtbar.Sein Stier belegt und befruchtet sicher, seine Kuh kalbt und wirft nicht fehl.

11 Ihre jungen Kinder lassen sie ausgehen wie eine Herde, und ihre Knaben hüpfen.Ihre Buben schicken sie aus gleich einer Herde, und ihre Knaben hüpfen umher.

12 Sie jauchzen mit Pauken und Harfen und sind fröhlich mit Flöten.Sie erheben die Stimme bei Tamburin und Laute und sind fröhlich beim Klange der Schalmei.

13 Sie werden alt bei guten Tagen und erschrecken kaum einen Augenblick vor dem Tode,In Wohlfahrt verbringen sie ihre Tage, und in einem Augenblick sinken sie in den Scheol hinab.

14 die doch sagen zu Gott: "Hebe dich von uns, wir wollen von deinen Wegen nicht wissen!Und doch sprechen sie zu Gott: Weiche von uns! Und nach der Erkenntnis deiner Wege verlangen wir nicht.

15 Wer ist der Allmächtige, daß wir ihm dienen sollten? oder was sind wir gebessert, so wir ihn anrufen?"Was ist der Allmächtige, daß wir ihm dienen sollten, und was nützt es uns, daß wir ihn angehen?

16 "Aber siehe, ihr Glück steht nicht in ihren Händen; darum soll der Gottlosen Sinn ferne von mir sein."Siehe, ihre Wohlfahrt steht nicht in ihrer Hand. Der Rat der Gesetzlosen sei fern von mir!

17 Wie oft geschieht's denn, daß die Leuchte der Gottlosen verlischt und ihr Unglück über sie kommt? daß er Herzeleid über sie austeilt in seinem Zorn?Wie oft geschieht es, daß die Leuchte der Gesetzlosen erlischt und ihr Verderben über sie kommt, daß er ihnen Schlingen zuteilt in seinem Zorn,

18 daß sie werden wie Stoppeln vor dem Winde und wie Spreu, die der Sturmwind wegführt?daß sie wie Stroh werden vor dem Winde, und wie Spreu, die der Sturmwind entführt?

19 "Gott spart desselben Unglück auf seine Kinder." Er vergelte es ihm selbst, daß er's innewerde.Gott spart, saget ihr, sein Unheil auf für seine Kinder. Er vergelte ihm, daß er es fühle!

20 Seine Augen mögen sein Verderben sehen, und vom Grimm des Allmächtigen möge er trinken.Seine Augen sollen sein Verderben sehen, und von dem Grimme des Allmächtigen trinke er!

21 Denn was ist ihm gelegen an seinem Hause nach ihm, wenn die Zahl seiner Monden ihm zugeteilt ist?Denn was liegt ihm an seinem Hause nach ihm, wenn die Zahl seiner Monde durchschnitten ist?

22 Wer will Gott lehren, der auch die Hohen richtet?Kann man Gott Erkenntnis lehren, da er es ja ist, der die Hohen richtet?

23 Dieser stirbt frisch und gesund in allem Reichtum und voller Genüge,Dieser stirbt in seiner Vollkraft, ganz wohlgemut und sorglos.

24 sein Melkfaß ist voll Milch, und seine Gebeine werden gemästet mit Mark;Seine Gefäße sind voll Milch, und das Mark seiner Gebeine ist getränkt.

25 jener aber stirbt mit betrübter Seele und hat nie mit Freuden gegessen;Und jener stirbt mit bitterer Seele und hat des Guten nicht genossen.

26 und liegen gleich miteinander in der Erde, und Würmer decken sie zu.Zusammen liegen sie im Staube, und Gewürm bedeckt sie.

27 Siehe, ich kenne eure Gedanken wohl und euer frevles Vornehmen gegen mich.Siehe, ich kenne eure Gedanken, und die Anschläge, womit ihr mir Gewalt antut.

28 Denn ihr sprecht: "Wo ist das Haus des Fürsten? und wo ist die Hütte, da die Gottlosen wohnten?"Denn ihr saget: Wo ist das Haus des Edlen, und wo das Wohngezelt der Gesetzlosen?

29 Habt ihr denn die Wanderer nicht befragt und nicht gemerkt ihre Zeugnisse?Habt ihr nicht befragt, die des Weges vorüberziehen? Und erkennet ihr ihre Merkmale nicht:

30 Denn der Böse wird erhalten am Tage des Verderbens, und am Tage des Grimms bleibt er.daß der Böse verschont wird am Tage des Verderbens, daß am Tage der Zornesfluten sie weggeleitet werden?

31 Wer will ihm ins Angesicht sagen, was er verdient? wer will ihm vergelten, was er tut?Wer wird ihm ins Angesicht seinen Weg kundtun? Und hat er gehandelt, wer wird es ihm vergelten?

32 Und er wird zu Grabe geleitet und hält Wache auf seinem Hügel.Und er wird zu den Gräbern hingebracht, und auf dem Grabhügel wacht er.

33 Süß sind ihm die Schollen des Tales, und alle Menschen ziehen ihm nach; und derer, die ihm vorangegangen sind, ist keine Zahl.Süß sind ihm die Schollen des Tales. Und hinter ihm her ziehen alle Menschen, und vor ihm her gingen sie ohne Zahl.

34 Wie tröstet ihr mich so vergeblich, und eure Antworten finden sich unrecht!Wie tröstet ihr mich nun mit Dunst? Und von euren Antworten bleibt nur Treulosigkeit übrig.