Augen, die nicht sehen: Über selbstgemachte Götzen
„Sie wissen nichts und verstehen nichts; denn sie sind verblendet, daß ihre Augen nicht sehen und ihre Herzen nicht merken können,“Jesaja 44,18 · Lutherbibel 1912
Jesaja zeichnet ein fast komisches Bild: Ein Mann fällt einen Baum, kocht damit sein Essen, wärmt sich an der Glut – und aus dem letzten Stück Holz schnitzt er sich einen Gott, vor dem er niederfällt. Und doch endet der Text bitterernst: „Sie wissen nichts und verstehen nichts; denn sie sind verblendet."
Götzendienst ist nicht immer das Verbeugen vor einer Statue. Es ist die Verwechslung von Geschöpf und Schöpfer, von Mittel und Ziel. Das Tragische ist die Verblendung: Der Mensch merkt nicht einmal, dass er das halbe Holz verbrennt und der anderen Hälfte sein Herz schenkt.
Auch heute machen wir Dinge zu „Göttern" – Karriere, Beziehung, Selbstbild –, ohne es zu bemerken. Verblendung erkennt man nicht von innen; man braucht Licht von außen. Bitte Gott, dir die Augen zu öffnen für das, was unbemerkt deinen Thron besetzt hat.
Herr, öffne mir die Augen, die ich selbst nicht öffnen kann. Zeige mir, wo ich Geschaffenem traue statt dir. Befreie mein Herz von Götzen, die mich nicht halten können, und richte meinen Blick allein auf dich. Amen.