Vertrauen

Gib ihnen nach ihrer Tat – wenn wir das Urteil aus der Hand geben

„Gib ihnen nach ihrer Tat und nach ihrem bösen Wesen; gib ihnen nach den Werken ihrer Hände; vergilt ihnen, was sie verdient haben.“
Psalmen 28,4 · Lutherbibel 1912

„Gib ihnen nach ihrer Tat und nach ihrem bösen Wesen", betet David in Psalm 28,4. Solche Gebete irritieren uns. Dürfen Gläubige so beten? Es lohnt der genaue Blick: David nimmt sich gerade nicht das Recht, selbst zu vergelten. Er legt das Urteil Gott in die Hände. „Gib du ihnen" – nicht „ich gebe ihnen".

Das ist ein gewaltiger Unterschied. Wer seinen Zorn vor Gott ausschüttet und ihm das Richten überlässt, muss ihn nicht mehr in der eigenen Brust verschließen oder in Selbstjustiz entladen. Diese Psalmen sind das ehrliche Ventil eines Herzens, das sein verletztes Recht nicht verdrängt, aber auch nicht selbst durchsetzt.

Trägst du einen Wunsch nach Vergeltung in dir? Bring ihn ungeschönt vor Gott. Sage ihm, wie sehr dich das Unrecht schmerzt, und lege das, was geschehen soll, in seine gerechten Hände. Im Licht des Neuen Testaments dürfen wir sogar einen Schritt weitergehen und für unsere Feinde beten – doch der erste Schritt ist, die Rache abzugeben.

Gebet

Herr, du kennst das Unrecht, das mir geschehen ist, und den Zorn in mir. Ich lege das Urteil in deine Hand. Nimm mir die Last des Vergeltens und mach mein Herz frei. Amen.

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